Das geheime Leben der Früchte
- Martina Flück

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Die Vorgabe
Alles rund um Früchte. Wir schreiben einen kurzen Text mit dem Anfang "wenn ich eine Frucht wäre...".
Auf dem Tisch liegen unterschiedliche Früchte. Eine wählen, ihr einen Namen geben und dann die Geschichte schreiben, wie sie hierher kam.
Alle Früchte zu einem Stilleben zusammenstellen. Hinhören und schreiben, was sich auf diesem Früchteteller so tut.
Am Ende schreiben wir noch ein Elfchen
WEnn ich eine Frucht wäre...
... was wäre ich dann für eine? Eine Mango aus einem warmen Land? Oder etwas, das aus dem Boden wächst? Mit krassen Wurzeln. Zum Beispiel eine Brombeere - doch die überwuchern alles. Naja, vielleicht wäre ich eine Frucht, die gute Wurzeln hat und auch in fremden Ländern gedeihen kann. Vom Geschmack her wäre ich herb. Nicht allen würde ich als Frucht schmecken. Ich wäre ein Frucht, die man nicht kaufen, sondern ausschliesslich in der freien Natur pflücken kann. Und ich hätte viele verschiedene Farben.
Theophilia - die Granatapfeldame aus Peru
Theophilia ist ein ganz besonderes Exemplar. Sie ist noch nicht lange in unserem Land. Sie wurde in Peru geboren. Ein Land weit weg von hier. In Peru tragen die Menschen oft farbige Kleider und so passt das wundervoll leuchtende Rot ganz hervorragend zur Farbe der Kleider ihrer Pflückerin.
Theophilia sah Amelia schon von weiter her kommen. Die Pflückerin, die allmorgendlich ihre Runde über die Plantage machte und Ausschau nach reifen Früchten hielt. Viele von Theophilias Freundinnen waren schon weg. Gepflückt von Amelia und ihren Kolleginnen. Theophilia wusste, dass auch sie eines Tages gepflückt werden würde. Am liebsten wäre es ihr, dieser Schritt, diese Trennung von ihrem Baum würde von Amelie gemacht werden. Und so geschah es auch.
Amelia kam mit wachen Augen auf sie zu. Ihre feinen Hände, denen man die harte Arbeit auf dem Feld nicht ansah kamen ihr ganz nah. Ein sanftes "ven, dulce mia - vamos" glitt über ihre Lippen. Mit einem leichten Dreh löste sie Theophlia von ihrem Baum. Es tat nur ein bisschen weg. Sie landete zusammen mit den anderen in einem grossen Korb. Sie kannte nur Filippe und Jorge - alle anderen waren ihr fremd. Der Korb war dunkel.
Theophilia fiel in einen tiefen Schlaf.
Auf dem Früchteteller
Aj - madre mía - no veo nada... nada de nada! Ich sehe rein gar nichts. Diese dämlichen Trauben versperren mir die ganze Aussicht. Ich seh ja überhaupt nichts.
Und mich sieht man auch nicht...!
Und die Ananas, die nimmt so viel Platz in Anspruch. Die süsse Zitrone purzelt bestimmt bald vom Tellerrand. Ob ich sie mal ansprechen soll? Ich habe gehört, sie komme aus Spanien, verstehen würde sie mich also schon. Aber da sind diese beiden Äpfel, die zwischen uns stehen. Ähnlich hübsch rot wie ich, aber ich verstehe die einfach nicht. So ähnlich und doch fremd.
Wenn ich mich so umschaue hier, dann sind da ganz schön viele Nachbarn. Costa Rica - ein wunderschönes Land. Aber ich hatte schon gehört, dass die Ananas dort sehr überheblich werden, weil sie zu den Königinnen der Früchte zählen.
Naja, ich bevorzuge MEIN Innenleben: Kleine exklusive Kügelchen. Teuer und sehr wertvoll.
Doch ich schweife ab. Ich bin umzingelt von profanen Äpfeln, dich mich nicht verstehen.
Echate...! Echate!!! Oh, diese Orange drängt sich unangenehm dicht an mich und will schon den ganzen Abend mit mir ins Gespräch kommen. Doch die Trauben auf mir drauf machen einen solchen Lärm, dass ich rein gar nichts verstehe.
Hätte ich doch bloss ein bisschen mehr Raum.
Die Bananen haben´s gut. Ich seh schon, die dösen. Oje, vecinocs, oje chicocs... Hmm, die schlafen tatsächlich.
Ah, wie komme ich jetzt bloss zu dieser interessanten Zitrone durch? Me dijeron que se llama Francesco.
Francesco... pssst... Francesco, oje me - psst, Franceso... Francesco... aaah, qué peina! Mir scheint, er interssiert sich nicht für mich.
Eine Bio-Zitrone halt. Hält sich für was Besseres.
Das Elfchen
Gepflückt
fremde Früchte
Welten treffen sich
kommen sich ganz nah
Spannung
The Gäng
Dieser Text ist im Rahmen von "The Gäng" entstanden. Wir schreiben alle zwei Wochen in Augsburg. Wir haben noch Platz an unserem Tisch und hier gibt´ s mehr Infos dazu.




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