Kaspar und die Stahlwand
- Martina Flück

- vor 20 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Die Vorgabe
In einem ersten Schritt erfinden wir eine Hauptfigur und schreiben einen kurzen Text, der die Figur in ihrem Alltag zeigt.
Dann schreibt jedeR für sich Wörter auf, die gerade aufploppen. Schöne, fröhliche, verschwindende, seltene, wohlklingend, unverständliche, etc. Wörter.
Dann drei dieser Wörter wählen. Nun bringen wir unsere Hauptfigur mit diesen drei Wörtern in Kontakt.
Die Wörter:
Stahlwand, Goldschatz, Würde
Die Hauptfigur: Kaspar
Kaspar sass wie jeden Morgen auf seiner Bank vor der Hütte. Der Kaffee dampfte und er war zufrieden. Alles war ruhig und es schien ein schöner Tag zu werden. Gerade als er den nächsten Schluck nehmen wollte, nahm er in seinem rechten Augenwinkel ein Glitzern wahr. Hmm, komisch, da lagen doch nur Steine - was kann denn da glitzern?
Er kniff die Augen zusammen, öffnete sie wieder. Das Glitzern war noch stärker geworden. Es war schon fast ein Leuchten. Kaspar dreht den Kopf. Tatsächlich, es leuchtete. Ja ein ES. Ein leuchtendes ES, das auch ein wenig klimperte und klirrte. Es erinnerte Kaspar an sein Sparschein, das er als Kind hatte. Er ging auf die Knie und wischte den Staub um das klimpernde Leuchten herum weg. Er staunte! Vor ihm lag wie aus dem Nichts ein Häufchen Goldmünzen. Lag das die ganze Zeit schon da und erst heute sah er es? Kaspars Gedanken waren regelrecht hörbar. "Nein - ich bin erst heute angekommen", klimperte es aus dem Häufchen. "Hallo Kaspar - ich bin Goldschatz - ich besuche dich. Ich brauche deine Hilfe." Kaspar war sprachlos. Noch mehr als sonst an stummen Tagen. "Kaspar, ich weiss, es mag seltsam klingen, doch du bist der Einzige, der uns helfen kann. Stahlwand schickt mich. Sie meint, du seist der Richtige."...
"Stahlwand... wer ist Stahlwand? Ich kenne keine Stahlwand!".
"Ach Kaspar, ich weiss, es ist jetzt etwas merkwürdig. Vertrau mir bitte einfach. Ich bin´s doch, dein Goldschatz. Weisst du noch?" Kaspar dämmerte es. Und da realisiert er auch, dass er sehr wohl die Stahlwand kannte. Als Kind begegnet er ihr täglich auf dem Schulweg. Dass die sich an ihn erinnerte... Er war fassungslos.
"Goldschatz, mein Goldschatz - du bist hier... hmm. Viele Jahre sind vergangen. Ich soll dir also helfen? Was kann ich denn tun?"
"Oh, Kaspar, - ich bin so froh, dass du dich erinnerst! Es geht um Würde. Wir haben sie verloren! Eines Tages war sie einfach weg. Stahlwand und ich unterhielten und wie jeden Tage über die schlechten Angewohnheiten der Personen, die an uns vorbeizogen. Und da spürten wir beide gleichzeitig, dass Würde, die sonst täglich ein-, zweimal vorbeischaute, einfach nicht mehr da war. Wir glauben, dass sie verschleppt wurde. Hilf uns, sie zu finden.
die Idee
Eine Geschichte braucht eine Figur. Indem wir die Figur in einem ersten Schritt kurz beschreiben, wird sie lebendig und greifbar. Sie entwickelt ein Eigenleben und im besten Fall brauchen wir ihr "nur" noch zu folgen und zusehen, was sie so erlebt. Die drei willkürlich gewählten Wörter regen unsere Fantasie an. Sie auf eine einigermassen plausible Weise in einen Zusammenhang mit der Hauptfigur zu bringen, ist eine Herausforderung. Gleichzeitig erlauben sie uns auch, eine Geschichte zu schreiben, die viel Interpretationsspielraum bietet und nicht unbedingt logisch sein muss. Es ist ein Spiel mit Wörtern und Möglichkeiten.
The Gäng
Dieser Text ist im Rahmen von "The Gäng" entstanden. Wir schreiben alle zwei Wochen in Augsburg. Wir haben noch Platz an unserem Tisch und hier gibt´ s mehr Infos dazu.


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