Die zwei Stiere im Duell
Stirn an Stirn
Hier stehen wir nun, Kopf an Kopf. Schon lange teilen wir uns dieselbe Weide, doch jetzt, ja jetzt geraten wir aneinander.
Sanft ist es Zeit, sich zu zeigen, auch in Konfrontation zu gehen. Jeder muss nun seinen Standpunkt vertreten, seine Grenzen aufzeigen und wahren. Doch in unseren Blicken findet sich auch etwas Liebevolles, vielleicht sogar Zärtliches - in jedem Fall nichts Verletzendes.
Wir tasten gemeinsam neue Grenzen aus. Respekt - ein wichtiger Aspekt. Und einander ebenbürtig messen, ein Stück weit Fairness, vielleicht sogar Kompromissbereitschaft.
Und dennoch ganz deutlich: Du - ich - wir, hier, jetzt. Los geht's!
Möglicherweise reicht uns die Berührung, Stirn an Stirn. Eine wilde Auseinandersetzung. Fast schon telepathisch spüren, was mit dem Gegenüber geschieht und was nun kommt. Dann ein Abtasten und ein Sich-voneinander-Abwenden.
Die Situation ist beendet, und jeder von uns spürt nun zufrieden die Wahrheit des anderen.
Der Bezug zu meinem Leben
Zum einen sehe ich deutliche Ähnlichkeiten zwischen dem Rind und mir:
Irgendwie lieb und süß. Irgendwie stur.Irgendwie genügsam. Irgendwie lustig.Irgendwie immer am Futtern. Irgendwie gesellig.
Und irgendwann kann der Punkt kommen, an dem es auch mal so richtig abgeht, es richtig zur Sache geht. Auf Konfrontation gehen - ja, das ist essenziell. Mich messen, meine Grenzen aufzeigen, austesten und vertreten. Auch mal meine ‚ungemütliche‘ Seite zeigen.
Die Stirn bieten
Altes begegnet mir wieder
Ob in der Familie oder im Beruf: Altes holt mich wieder ein, sucht mich heim - mit Angst, Trauer, Mauern und Baustellen.
Das Gute ist: Nun weiß ich besser damit umzugehen. Ich bemühe mich, auf Augenhöhe und respektvoll in Klärung zu bringen, aber eben auch meinen Standpunkt zu vertreten.
Und es mag gut sein, dass ich ‚fast telepathisch‘ spüre, was gerade in meinem Gegenüber vor sich geht: was seine Bedürfnisse und Grenzen sind, aber auch seine Versuche, seine Grenzen auszuloten und vielleicht zu erweitern.
Es bedarf aktuell nicht vieler Worte, um die Situationen einzuschätzen, auszuloten und mich vielleicht sogar von der einen oder anderen ganz gelassen abzuwenden.
Die Stirn bieten
Ich lege ab die Scheu und stelle mich
mit meinem Sein den Themen, die mich schaudern,
mit meiner Herzensmelodie.
Nicht immer ist das Lebenslied harmonisch,
doch lohnt es sich, der eigenen Melodie zu folgen.
Die Stirn bieten
Wenn jedes Herzenslied ganz klar erklingt,
dann ist es für alle ein Gewinn.
Dann schallt die Resonanz und die Essenz
von Herz zu Herz.
Die Stirn bieten
Ich lege ab die Scheu und stelle mich
mit meinem Sein den Themen, die mich schaudern,
mit meiner Herzensmelodie.
The Gäng
Dieser Text ist im Rahmen von "The Gäng" entstanden. Wir schreiben alle zwei Wochen in Augsburg. Wir haben noch Platz an unserem Tisch und hier gibt´ s mehr Infos dazu.





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